Das Universum in sechs Quadraten oder sechs Würfeln

Sechs Wür­fel mit unvoll­stän­di­gen Kan­ten bil­den das Gerüst der Plas­tik. Ein Wür­fel ist ein Kör­per mit sechs (kon­gru­en­ten) Qua­dra­ten als Begren­zungs­flä­chen. Das muss man viel­leicht erst ein­mal sacken las­sen und dann den Titel noch ein­mal lesen. Irgend­wann soll­te dann die Erkennt­nis rei­fen, dass der Titel bedeu­tet, dass das Uni­ver­sum in einem der Wür­fel steckt oder sich inner­halb der sechs Wür­fel erstreckt.

Mehrere Universen?

Die Plas­tik spielt mit der Theo­rie, dass es meh­re­re Uni­ver­sen geben kann. Das Pro­blem ist nur, dass dies nicht von uns über­prüft wer­den kann, weil wir in unse­rem Uni­ver­sum ste­cken und nicht her­aus kom­men. Wir kön­nen nicht von außen auf unser Uni­ver­sum schau­en weil wir von der weit­hin aner­kann­ten Theo­rie aus­ge­hen, dass das Uni­ver­sum in einem bestimm­ten Augen­blick, dem so genann­ten Urknall, aus einer Sin­gu­la­ri­tät her­aus ent­stan­den ist und sich seit­dem aus­dehnt. Orte „außer­halb“ des Uni­ver­sums sind phy­si­ka­lisch nicht defi­nier­bar. Aber nur für Phy­si­ker, nicht für Künst­ler. An eini­gen Ecken sym­bo­li­sie­ren Tas­ten von Com­pu­ter­tas­ta­tu­ren wie „Ende“, „Alt“ oder „5“ die Unge­wiss­heit am Ran­de des Uni­ver­sums wo sich der Theo­rie von Dou­glas Noël Adams nach ein Restau­rant befin­den wer­den wird.

Raumzeit

Die Plas­tik greift noch ein wei­te­res The­ma auf, die Raum­zeit. Wir Men­schen erle­ben im All­tag Ort und Zeit als zwei ver­schie­de­ne Din­ge. Für ein Ereig­nis sind jedoch, auch bei uns, bei­de wich­tig. Ein gemein­sa­mer Kino­be­such zu unter­schied­li­chen Zei­ten funk­tio­niert genau­so wenig wie in unter­schied­li­chen Kinos. Bei Ereig­nis­sen die im Zusam­men­hang mit Geschwin­dig­kei­ten von der Grö­ßen­ord­nung der Licht­ge­schwin­dig­keit ste­hen, bedin­gen sich Zeit und Ort. Sie sind eine ein­heit­li­che vier­di­men­sio­na­le Struk­tur bestehend aus drei Orts­ko­or­di­na­ten im Raum und der Zeit. Die­se Raum­zeit wird in der Plas­tik durch den gelb­grü­nen Tüll sym­bo­li­siert. Sie ist nicht gerad­li­nig und sym­me­trisch son­dern gefal­tet und gekrümmt. Jede Art von Mas­se, Strah­lung oder Druck krümmt die Raum­zeit. Die kür­zes­te Ver­bin­dung zwi­schen zwei Ster­nen im Raum ist also kei­ne Gera­de, son­dern eine Geo­dä­te, ein Bogen. So wie die opti­ma­le Flug­bahn zwi­schen zwei Flug­hä­fen auf der Erde.

Zwillingsparadoxon

Der drit­te Punkt auf den die Plas­tik ein­geht ist die Zeit­di­la­ta­ti­on, ein nach­weis­ba­res Phä­no­men der Rela­ti­vi­täts­theo­rie. Jede rela­tiv zu einem Beob­ach­ter beweg­te Uhr geht aus der Sicht des Beob­ach­ters lang­sa­mer. Je grö­ßer die rela­ti­ve Geschwin­dig­keit zum Betrach­ter, des­to grö­ßer die Zeit­di­la­ta­ti­on. Im Zwil­lings­pa­ra­do­xon oder Uhren­pa­ra­do­xon wird dies Beschrie­ben. Ein Zwil­ling fliegt mit nahe­zu Licht­ge­schwin­dig­keit zu einem fer­nen Stern und zurück. Nach der Rück­kehr auf der Erde stellt sich her­aus, dass der zurück­ge­blie­be­ne Zwil­ling älter gewor­den ist als der gereis­te. Durch Ver­gleich zwei­er Atom­uh­ren konn­te die­ser Effekt auch in Ver­kehrs­flug­zeu­gen nach­ge­wie­sen wer­den. Aller­dings sind die Abwei­chun­gen auf der Erde sehr gering, aber eben vor­han­den. Die zwei Uhren in der Plas­tik sym­bo­li­sie­ren die­ses Phä­no­men. Für den Betrach­ter des Kunst­wer­kes ver­geht die Zeit für bei­de Uhren gleich schnell, in der unter­schied­li­chen Raum­zeit des hypo­the­ti­schen Uni­ver­sums nicht. Aus die­sem Grund, zei­gen die Uhren für uns unter­schied­li­che Zei­ten an. Etwas in die­ser Plas­tik ist jedoch für alle Betrach­ter und an allen Orten immer kon­stant, die Geschwin­dig­keit des Lichts. Sie lässt sich nicht beein­flus­sen weder räum­lich noch zeit­lich. Über­flüs­sig zu erwäh­nen, dass dafür die LEDs in der Plas­tik ange­bracht sind. Sie emit­tie­ren Licht, dass sich mit kon­stan­ter Geschwin­dig­keit aus­brei­tet. Die Licht­ge­schwin­dig­keit ist eine fun­da­men­ta­le Natur­kon­stan­te, sie lässt sich weder beein­flus­sen noch räum­lich oder zeit­lich ver­än­dern.

Wo befindet sich eigentlich unser Universum genau?

Die Plas­tik und die Geschich­te zu die­ser Plas­tik ver­an­schau­licht, die wun­der­ba­re Kom­ple­xi­tät unse­res Uni­ver­sums. Bleibt noch die Fra­ge wo befin­det sich eigent­lich unser Uni­ver­sum genau? Die Wahr­schein­lich­keit, dass unser Uni­ver­sum ein Kunst­werk in einem Muse­um bei irgend­wel­chen Meta­we­sen ist, ist genau­so groß wie die Theo­rie das außer­halb unse­res Uni­ver­sums ein­fach nichts ist.

Das Uni­ver­sum in sechs Qua­dra­ten oder sechs Wür­feln wur­de vom 08.08. bis 22.08.2015 in der Moto­ren­hal­le, Pro­jekt­zen­trum für zeit­ge­nös­si­sche Kunst in Dres­den aus­ge­stellt.

Ste­phan Kambor-Wiesenberg — Das Uni­ver­sum in sechs Qua­dra­ten oder sechs Wür­feln. (2015) — Plas­tik aus Stoff, Metall, Kunst­stoff und LED-Beleuchtung. 38 x 38 x 55 cm (lxbxh)

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8 comments on “Das Universum in sechs Quadraten oder sechs Würfeln
  1. Thomas Meier says:

    ein sehr guter Bei­trag :)

  2. gefällt mir sehr gut (y)

  3. Robert Til says:

    das ist eine super Erläu­te­rung

  4. Ich den­ke auch das es meh­re­re Uni­ver­sen gibt

  5. Mischa Harl says:

    eine tol­le The­se (y)

  6. Egon Martin says:

    hat mir sehr gefal­len der Bericht

  7. Markus Kriss says:

    sehr gut geschrie­ben

  8. dem kann ich abso­lut zu stim­men ;)

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