Naddl.und.Ronny.siegt!

Naddl.und.Ronny.siegt!

Du fragst: Ist das jetzt Kunst oder schlech­te Manie­ren?
Ich sag: Das ist was für dein Leis­tungs­kurs zum Inter­pre­tie­ren.

(Jan Böh­mer­mann)

Zwei aus dem sozia­lis­ti­schen Rea­lis­mus geborg­te Figu­ren1 ste­hen da, Hand in Hand und schau­en durch eine durch­bro­che­ne Wand. Sie tra­gen ein Ban­ner auf dem Naddl.und.Ronny.siegt! steht. Die Inter­punk­ti­on, der Wort­laut und auch die Schrift­art pas­sen über­haupt nicht zu den sozia­lis­ti­schen Figu­ren. Die weib­li­che Figur trägt ein Luxus­mar­ken­top und Snea­ker einer popu­lä­ren Sport­mar­ke, die in der Ver­gan­gen­heit mit inter­es­san­tem „Spon­so­ring” auf­ge­fal­len ist. Die männ­li­che Figur sieht hin­ge­gen kom­plett aus, als wäre sie der sozia­lis­ti­schen Arbei­ter­klas­se ent­sprun­gen. Wenn man Naddl als den Arche­ty­pus des Mäd­chens aus dem Wes­ten und Ron­ny als den Jun­gen aus dem Osten inter­pre­tie­ren wür­de, dann wäre das eine schö­ne Wen­de­me­ta­pher, denn ohne die kaput­te Mau­er wäre das nicht mög­lich. Die Son­der­lich­kei­ten des Schrift­zu­ges auf dem Ban­ner erklärt das jedoch noch nicht.

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Freiheit, Liebe, Tod.

Freiheit Liebe Tod (Detail)

Der Drei­klang: Frei­heit, Lie­be, Tod; ist im Prin­zip Ödön von Hor­váths Glau­be Lie­be Hoff­nung, nur eben in rea­lis­tisch. In dem Thea­ter­stück geht es ja um die Frei­heit von Eli­sa­beth, die Lie­be zu Alfons und ihren letzt­end­li­chen Tod. 1932 wäre das titel­mä­ßig und auch dra­ma­tur­gisch ver­mut­lich eher schwie­rig gewe­sen. Wer geht schon in ein Thea­ter­stück bei dem schon im Titel steht: äh übri­gens am Ende stirbt die Püp­pi, ne?

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Spion oder Egomane?

ST Kambor-Wiesenberg - Intransparent (2020)

Ich bin auf dem Heim­weg. Beim Vor­bei­lau­fen an einem Haus sehe ich die Sil­hou­et­te eines Man­nes hin­ter dem Fens­ter. Er hält ein Smart­pho­ne in der Hand. Macht der ein Foto? Nimmt er ein Video auf? Nutzt er die Taschen­lam­pen­funk­ti­on oder streamt er irgend­et­was — live — ans ande­re Ende der Welt? Man weiß es nicht. Es ist unklar, ob er die Kame­ra in den Raum, auf die Stra­ße oder auf sich selbst gerich­tet hat. Ist er ein Span­ner und nimmt Leu­te auf der Stra­ße auf? Mög­li­cher­wei­se parkt hier jemand falsch oder ohne Anwoh­ner­park­aus­weis und der Typ ruft gleich an.

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Surrealer Realismus

Temporäre Reale Virtualität

Eine Som­mer­nacht in Bran­den­burg. Es ist ange­nehm warm, aus der Fer­ne hört man elek­tro­ni­sche Musik und leben­di­ge Geräu­sche von vie­len Men­schen und Maschi­nen. Manch­mal erreicht ein mono­to­nes, sono­res Brum­men — wie von einem sehr gro­ßen Die­sel­ge­ne­ra­tor — das Ohr. Es ist kurz nach Mit­ter­nacht und selt­sa­mer­wei­se hat man den Ein­druck, es läge der Geruch von frisch geba­cke­nen Waf­feln in der Luft. Wir befin­den uns auf einem Cam­ping­platz. Oder zumin­dest etwas, was einem Cam­ping­platz sehr nahe kommt. Es fühlt sich an wie eine Cam­ping­platz­si­mu­la­ti­on. Eine Cam­ping­platz­si­mu­la­ti­on, von Leu­ten in der Zukunft gemacht, die nicht genau wis­sen, wie Cam­ping­platz frü­her war. Wie bei die­sen Mit­tel­al­ter­fes­ten, wenn Men­schen aus dem 21. Jahr­hun­dert sich ver­klei­den und kochen und spie­len sie wären Men­schen aus dem 14. Jahr­hun­dert. Wenn aber jemand aus dem 14. Jahr­hun­dert vor­bei­kom­men wür­de, dann wür­de er sagen: „Naja Leu­te, alles ganz nett, aber so eine Plas­tik­wan­ne hat­ten wir nicht und die­se gan­zen Gerä­te mit den Kabeln da, die sind alle falsch.“ Und genau so fühlt es sich an. Hier hat jemand eine sur­rea­le Welt gebaut, die hier nicht her gehört, aber sie ist ganz offen­sicht­lich da. Man kann sie hören, man kann sie rie­chen, man kann sie füh­len und man kann sie schme­cken. Es ist eine kon­den­sier­te Wunsch­zu­kunft im Rea­len, aber die Betei­lig­ten wis­sen, dass die Zukunft anders aus­se­hen wird.

Mit­ten in die­ser Sze­ne­rie mate­ria­li­siert sich eine Situa­ti­on, die die­se Rea­li­täts­ver­zer­rung noch bizarr über­stei­gert. Ein Fami­li­en­wohn­wa­gen mit Vor­zelt. Es sieht so aus, als wäre hier vor ein paar Stun­den das klas­si­sche Abendessen-Ritual voll­zo­gen wor­den. Papa am Grill, Sala­te von Mama, die Brü­der ärgern sich gegen­sei­tig und Oma strickt. Die ganz nor­ma­le Rea­li­tät, mit­tig unter der Glo­cken­kur­ve. Wenn da nicht zen­tral im Bild ein Jun­ge mit einer Vir­tu­al Reality-Brille ste­hen wür­de. In wel­cher Rea­li­tät steckt er denn jetzt bit­te? Cam­ping­ur­laub am Meer? Aben­teu­er in der Natur? Spä­tes­tens jetzt merkt man, ok, die Sze­ne ist ein Fake. Alles passt nicht zusam­men. Die Figu­ren sind Wachs­fi­gu­ren. Irgend­wie ist es auch ein biss­chen zu bunt in der Sze­ne, die Ener­gie­ver­sor­gung scheint über die von klei­nen Solar­zel­len gela­de­nen Akkus hin­aus­zu­ge­hen. Die Licht­re­gie hat über­zo­gen. Da kreu­zen Glasfaser‑, Strom- und Feld­ka­bel den Weg. Wel­che Spe­zi­es hat Glas­fa­ser­netz­wer­ke und kom­mu­ni­ziert mit Feld­te­le­fo­nen? Fehlt nur noch eine Rohr­post. Son­der­li­cher­wei­se tau­chen hier auch Mobil­funk­netz­wer­ke auf, die man noch nie gese­hen hat und auf allen Funk­fre­quen­zen ist etwas los. Wifi über­all und auch die­se Schnur­los­te­le­fo­ne von zu Hau­se funk­tio­nie­ren, obwohl hier doch gar nicht zu Hau­se ist. Die Lösung: Wir befin­den uns in einem Muse­um in der Zukunft. Des­we­gen auch die Infor­ma­ti­ons­ta­fel und nur des­we­gen gibt es auch funk­tio­nie­ren­des WLAN an die­sem Ort. Das Expo­nat: „Tem­po­rä­re rea­le Vir­tua­li­tät im sur­rea­len Rea­lis­mus“ zeigt, dass es frü­her wohl mög­lich war für eine gewis­se Zeit drau­ßen zu leben. Frü­her als das Wet­ter noch nicht lebens­feind­lich war. Frü­her als es noch Ver­ei­ne gab, die dezen­tral an gemein­sa­men Zie­len gear­bei­tet haben. Das letz­te Indiz, dass die­ses Foto in einem Muse­um gemacht wur­de ist die Gieß­kan­ne, denn die Pflan­zen in die­sem Expo­nat sind echt und müs­sen regel­mä­ßig mit ech­tem Was­ser gegos­sen wer­den.


Das Foto bei flickr.

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LittleLights Hausrenovierung

LittleLights CCCamp19 Pong

Es ist fast voll­jäh­rig. 2002 hat das Litt­le­Lights Haus in einer Gara­ge im würt­tem­ber­gi­schen All­gäu das Licht der Welt erblickt. Ein Modell, im Maß­stab 1:42, der Instal­la­ti­on Blin­ken­lights im Haus des Leh­rers am Alex­an­der­platz in Ber­lin. Genau wie beim Pro­jekt Blin­ken­lights konn­te das Haus nicht nur Ani­ma­tio­nen abspie­len, son­dern es konn­te auch ange­ru­fen wer­den. Mit einem Mobil­te­le­fon war man in die Lage ver­setzt, das ers­te welt­weit bekann­te Video­spiel Pong zu spie­len. Zwei Schlä­ger und ein Ball. Mit der Tas­te 8 nach unten, mit der 5 nach oben. Dank der ein­ge­bau­ten ISDN Schnitt­stel­le war das Spiel „mul­ti­play­er­fä­hig”. Rief eine zwei­te Per­son an, dann konn­te man gegen­ein­an­der spie­len.

Litt­le­Lights ist ganz gut her­um­ge­kom­men. Nach der ers­ten Aus­stel­lung auf dem Cha­os Com­mu­ni­ca­ti­on Con­gress im Jahr 2002, 19C3: Out Of Order, war es auch auf dem Cha­os Com­mu­ni­ca­ti­on Camp 2003 und dem Girls’ Day. 2006 kam es auch aus dem Umfeld des CCC her­aus und es gab Sta­tio­nen wie die Games Con­ven­ti­on in Leip­zig und eine Bank in Mag­de­burg. Auch in Muse­en wur­de Litt­le­Lights aus­ge­stellt. Sta­tio­nen waren: Würt­tem­ber­gi­scher Kunst­ver­ein Stutt­gart, Muse­um für Kom­mu­ni­ka­ti­on in Frank­furt am Main, Korn­haus­fo­rum Bern und die Aus­stel­lung „Ber­lin im Licht” im Mär­ki­schen Muse­um. Natür­lich war es trotz­dem regel­mä­ßig auf Ver­an­stal­tun­gen des CCC1 zu Gast.

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  1. NaN, Eas­ter­hegg 2004, 21C3, ICMP2, 22C3, ICMP3, 24C3, Chem­nit­zer Linux Tage 2008, Chem­nit­zer Linux Tage 2009, 26C3, 28C3, SIGINT 2012, 30C3, 33C3 []
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Ökofilmtour 2019

Ökofilmtour 2019 BBM Unbesandten

Ges­tern war ich zu Besuch bei der Öko­film­tour 2019. Das Fes­ti­val des Umwelt- und Natur­films tourt zum 14. Male durch Bran­den­burg und bringt die Fil­me auch an ent­le­ge­ne Orte wie nach Unbe­sand­ten in der Pri­gnitz. Dort war es beim BBM e. V. einem Ver­ein für Kunst, Kul­tur, Natur- und Denk­mal­schutz des Künst­ler­kol­lek­tivs BBM zu Gast. Gezeigt wur­den die Fil­me „Die Grü­ne Lüge” und „Sys­tem Error”. Bis zum 29.04.2019 wer­den die 45 Pro­gramm­fil­me und 12 Kurz­fil­me noch gezeigt. Wei­ter­le­sen …

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35C3 Kunst, Impressionen, Vortrag

35C3 Impression - Rolltreppen

Refres­hing Memo­ries war das Mot­to unse­res 35. Cha­os Com­mu­ni­ca­ti­on Con­gres­ses. Viel Zeit blieb nicht, um alte Erin­ne­run­gen auf­zu­fri­schen, wohl aber alte Gewohn­hei­ten. Durch die Prio­ri­sie­rung auf PoC The­men blieb wenig Zeit für Kunst und Inhal­te. Auf frü­he­ren Con­gres­sen foto­gra­fier­te ich, stell­te Kunst aus, reich­te Vor­trä­ge ein und manch­mal wur­den sie auch akzep­tiert1. Für die­sen Bei­trag wühl­te ich noch ein biss­chen im Daten­müll und wur­de fün­dig. Fotos vom 19C3! Skulp­tu­ren aus der Lounge sowie Art & Beau­ty, das Litt­le­Lights Haus (ein Blin­ken­lights Nach­bau) und ein Foto vom Net­work Ope­ra­ti­ons Cen­ter (NOC).

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  1. 21C3: Die blin­ken­den Ver­däch­ti­gen (Foli­en & Zusam­men­fas­sung) — https://events.ccc.de/ []
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Ein neuer Raum für die Prototype Killers.

Die Expe­ri­men­tal Pro­to­ty­pe Kil­lers of Tomor­row (EPKOT) sol­len wie­der­kom­men. 2012 tauch­ten die in einer Fan­ta­sie­welt leben­den, aber ver­mut­lich aus der Zukunft stam­men­den auto­no­men Maschi­nen, erst­mals für fünf Tage auf und unter­hiel­ten sich über dies und das und jenes. Maschi­nen die gebaut wur­den, um die Gren­zen zu kon­trol­lie­ren und Men­schen rund um den Glo­bus zu töten. Wäh­rend ihre Schwes­tern & Brü­der im Jahr 2012 an den Gren­zen und in Krie­gen erst 2764 Tote zu ver­zeich­nen hat­ten, erzähl­ten sie von ihrer, sowie der Arbeit ande­rer Kampf­au­to­ma­ten. Die Anzahl Men­schen, die 2012 von allen Droh­nen gemein­sam getö­tet wur­den, haben zu ihrer Zeit (also von uns aus gese­hen in der Zukunft) ein­zel­ne Killer-Maschinen umge­bracht. Auto­ma­tisch, ohne per­sön­li­che Gefahr, sicher.

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Zu Besuch im Norden.

Am Meer - Cuxhaven

Ich war für einen Monat in Bre­men. Nur einen Stein­wurf von der Hoch­schu­le für Küns­te ent­fernt, in und neben der ich vor über zehn Jah­ren gear­bei­tet habe.

Orte an denen man frü­her gelebt hat, zumin­dest ist das bei mir so, machen im Kopf vie­le Schub­la­den auf, die lan­ge geschlos­sen waren. Und dann fängt man an dar­in rum­zu­wüh­len und erin­nert sich an die Level die man durch­ge­spielt hat. Was man zu der Zeit so gedacht, gemacht und gelernt hat und wel­che Situa­tio­nen klei­ne Pflänz­chen in einem gesät haben und was davon noch übrig ist.

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33C3 Photos — Works for me.

Nerd

Der (vor­erst?) letz­te Kon­gress im CCH ist Geschich­te und wird im Netz noch eine Wei­le nach­hal­len. Im Gegen­satz zum letz­ten Jahr, lief es in die­sem Jahr tadel­los, so dass ich trotz PoC, Kunst­pro­jekt und regel­mä­ßi­gen Besuch der Lounge, in der Nacht von Tag 2 auf Tag 3 zwi­schen 6 und 8 Uhr mor­gens, Zeit für einen aus­ge­dehn­ten Kon­gress­spa­zier­gang und das Sam­meln von Ein­drü­cken hat­te. Wie immer sind die Bil­der unter der Crea­ti­ve Com­mons Attri­bu­ti­on 2.0 Gene­ric (CC BY 2.0) ver­öf­fent­licht und dür­fen gern ent­spre­chend ver­wen­det wer­den. Zeig her die Bil­der …

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