Freiheit is ne Hure.

Bei mir fängt Kunst bzw. das Schaf­fen von Kunst oft da an, wo kon­ven­tio­nel­le Kom­mu­ni­ka­ti­on wie Spra­che und Schrift für mich auf­hört zu funk­tio­nie­ren. Frei­heit is ne Hure klingt wie, wer das Geld hat den Preis des Mark­tes zu bezah­len darf ran. Das ist ein Anfang. Wäre es so ein­fach, hät­te ich aber auch den Satz schrei­ben kön­nen und hät­te nicht die­se Col­la­ge machen müs­sen. Acryl, Lack, Dru­cke und Pap­pe auf Kar­ton­plat­te. Der zen­tra­le Fra­gi­le Auf­kle­ber domi­niert die ers­ten Bli­cke. Frei­heit fra­gil wie Kunst und Glas? Erst Prü­fen und dann die Annah­me Quit­tie­ren. Man über­le­ge sich die­se sur­rea­le Situa­ti­on im Zusam­men­hang mit Frei­heit und der Auf­nah­me eines Flücht­lings an einer Gren­ze. Alles auf dem Bild ist schrap­pe­lig, ange­kratzt, beschmiert und abge­wetzt. Alter­na­tiv­schup­pen­klo­tür­äs­the­tik (null Goog­le Tref­fer für die­ses Wort, bis ich auf „Publish” kli­cke). Links ein klei­nes Stück Ber­li­ner Mau­er und kri­ti­sche Sprü­che von der West­sei­te zur inner­deut­schen Gren­ze aus den 1980er Jah­ren. Hät­te ich nie foto­gra­fie­ren kön­nen. Rechts, Fotos aus einem Foto­au­to­mat in Ber­lin Kreuz­berg. West­sei­te. Habe ich ein­fach so gemacht.

Das kann man jetzt alles mal sacken und die Asso­zia­ti­ons­ma­schi­ne lau­fen las­sen.

Mittelteil

Im letz­ten Jahr haben wir ein dys­to­pi­sches Thea­ter­stück auf­ge­führt, in dem klar wur­de, dass die Mensch­heit aus­ge­stor­ben ist, weil die euro­päi­schen Außen­gren­zen dicht gemacht wur­den (Fotos). Die Thea­ter­stü­cke von Olaf Arndt (BBM) hat­ten schon immer einen Hang zum zur Rea­li­tät wer­den, nur gehö­ren sie zu der Sor­te, bei denen man auf das „Wir haben es doch gesagt.” ver­zich­tet.

Nachwort

Ein Künst­ler kommt zum Arzt, um die letz­te Unter­su­chung zu bespre­chen. Der Arzt schaut ihn mit trau­ri­ger Mine an und sagt: „Sie haben noch höchs­tens drei Mona­te zum Leben.” Da Ant­wor­tet der Künst­ler: „Ja aber wo von den? Wo von den nur?”

Als Künst­ler in Deutsch­land habe ich eine gro­ße Frei­heit. Als Künst­ler bin ich sogar gemein­sam mit Wis­sen­schaft, For­schung und Leh­re ‚durch einen eige­nen Absatz in einem ein­stel­li­gen Arti­kel des Grund­ge­set­zes frei. Absatz 3, Arti­kel 5, des Grund­ge­set­zes: „Kunst und Wis­sen­schaft, For­schung und Leh­re sind frei. Die Frei­heit der Leh­re ent­bin­det nicht von der Treue zur Ver­fas­sung.” Dafür das das so ist, habe ich nichts getan. Dafür das das so bleibt, ver­su­che ich mit Gesprä­chen, Vereinsarbeit/-unsterstützung und Kunst Men­schen zu  sen­si­bi­li­sie­ren wenigs­tens ein­mal dar­über nach­zu­den­ken was uns umgibt, wie es zusan­de­ge­kom­men ist und ob es schüt­zens­wert ist.

Ein­stein soll gesagt haben: „Die reins­te Form des Wahn­sinns ist es, alles beim Alten zu las­sen und gleich­zei­tig zu hof­fen, dass sich etwas ändert.”

Frei­heit is ne Hure, ich bin ihr Kind. (09 / 2015) — Acryl, Lack, Dru­cke und Pap­pe auf Kar­ton­plat­te (31x25,5x2,5)
Posted in Blog, Collage, Fotografie

5 comments on “Freiheit is ne Hure.
  1. Die Defi­ni­ti­on von Frei­heit ändert sich mit dem Stand­punkt.” Fiel mir beim schrei­ben ein. Nach kur­zem Nach­den­ken war er aber so banal, dass ich ihn nicht in den Text schrei­ben woll­te. Viel­leicht wird es eine Edi­ti­on Klo­tür­auf­kle­ber.

  2. Marianne Schlichtenmayer says:

    Ich beob­ach­te die­ses Blog nun seit eini­ger Zeit. Respekt für die facet­ten­rei­chen Tex­te zu den Bil­dern, Fotos und Objek­ten. Sel­ten das Künst­ler sich so inten­siv zu ihren Wer­ken äußern. Hier ent­steht sehr inter­es­san­te und beson­de­re Kunst. Ich bin gespannt wei­ter so.

  3. Sandra says:

    Alter­na­tiv­schup­pen­klo­türäs­the­tik” — tol­le Wort­krea­ti­on. Schön tref­fend :).
    Die Fotos vom Kunst­werk machen neu­gie­rig, es aus der Nähe betrach­ten zu kön­nen.

    Vie­le Grü­ße
    San­dra

  4. Das ist mal rich­tig cool! :) Der Begriff wird sich in der Kunst­sze­ne noch eta­blie­ren.

Leave a Reply

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.