Schredderbilder oder: Digitalisierung ohne Scanner.

Eng­lish Ver­si­on below

Als ich die Shred­der­bil­der arran­giert auf­ge­hängt habe, war ich über­rascht, wie gut sie funk­tio­nie­ren. Als ich das ers­te Mal ein Foto von dem Arran­ge­ment gese­hen habe, war ich schockiert.

Dass es einen signi­fi­kan­ten Unter­schied macht, ob ein Bild im Ori­gi­nal oder als Kopie in Form eines Fotos wahr­ge­nom­men wird, erschließt sich rela­tiv schnell. Die Kopie ist immer eine Ver­kür­zung, wie bei einem Buch von 300 Sei­ten, wel­ches auf eine zusam­men­fas­sen­de Sei­te redu­ziert wird. Das kann nütz­lich sein, aber auch eine Katastrophe.

Die Shred­der­bil­der sagen so viel aus, dass ich mich über­haupt nicht traue, etwas dar­über auf­zu­schrei­ben, denn das wür­de den Denk­raum der Betrach­te­rin ein­schrän­ken. Jedes Bild erzählt eine Geschich­te, mahnt, pöbelt, pran­gert an, flüs­tert und schreit. Sie sind ganz ähn­lich und ganz ver­schie­den. Sie stel­len Fra­gen. Geht man nah her­an, sieht man Details. Schrift, Zah­len, Fens­ter von Brief­um­schlä­gen, unter­schied­li­ches Papier, unter­schied­li­che Far­ben, unter­schied­li­che Spra­chen, Sicht­schutz­mus­ter, Viel­schich­tig­keit. Nimmt man Abstand, wird es abs­trak­ter und die Bil­der wer­den plas­ti­scher, bekom­men mehr Tie­fe und dann, wenn man einen bestimm­ten Abstand über­schrei­tet, dann kommt der scho­ckie­ren­de Moment. Die kom­plet­te Bedeu­tung schlägt (ver­meint­lich) um. In Wirk­lich­keit sind sie nur enger mit­ein­an­der ver­bun­den als wir dach­ten. Das Wort, das wir dann suchen, ist Ful­gu­ra­ti­on. Ein Künst­ler schrieb 1959 an einen ande­ren Künst­ler: “So wie wir heu­te malen, wer­den wir mor­gen leben.“

Die unbekannten Parteispender*innen

Die unbe­kann­ten Parteispender*innen. (06/2020)
Geschred­der­tes Papier & Acryl auf Lein­wand (50 x 50)

Die Daten von Ursula von der Leyens Mobiltelefon

Die Daten von Ursu­la von der Ley­ens Mobil­te­le­fon. (05/2020)
Geschred­der­tes Papier auf Lein­wand (50 x 50)

NSU-Akten

NSU-Akten. (06/2020)
Geschred­der­tes Papier & Acryl auf Lein­wand (50 x 50)

Shredded images or: Digitization without scanner.

Once I hung the pic­tures from shred­ded arran­ged, I was sur­pri­sed at how well they worked. When I first saw a pho­to of the arran­ge­ment I was shocked.

The signi­fi­cant dif­fe­rence bet­ween per­cei­ving an image as an ori­gi­nal and as a copy in the form of a pho­to­graph beco­mes clear rela­tively quick­ly. The copy is always a reduc­tion, like a book of 300 pages, which is redu­ced to a sum­ma­ry of one page. This can be use­ful, but it can also be a disaster.

The pic­tures from shred­ded say so much that I do not dare to wri­te anything about it at all, becau­se that would limit the thin­king space of the view­er. Each pic­tu­re tells a sto­ry, reminds, rants, attacks, whis­pers and screams. They are qui­te simi­lar and qui­te dif­fe­rent. They ask ques­ti­ons. If you get clo­ser, you see details. Wri­ting, num­bers, enve­lo­pe win­dows, dif­fe­rent paper, dif­fe­rent colors, dif­fe­rent lan­guages, pri­va­cy pat­terns, mul­ti lay­ers. If you take distance, it beco­mes more abs­tract and the images beco­me more dimen­sio­nal, get more depth, and then, when you exceed a cer­tain distance, the sho­cking moment occurs. The com­ple­te mea­ning (sup­po­sed­ly) chan­ges. In rea­li­ty, they are just more clo­se­ly con­nec­ted than we thought. The word we then look for is ful­gu­ra­ti­on. One artist wro­te to ano­t­her artist in 1959, „The way we paint today, is the way we will live tomorrow.“

The unknown par­ty donors. (06/2020)
Shred­ded paper & acry­lic on can­vas (50 x 50)

The data from Ursu­la von der Leyen’s cell pho­ne. (05/2020)
Shred­ded paper on can­vas (50 x 50)

NSU files. (06/2020)
Shred­ded paper & acry­lic on can­vas (50 x 50)

Veröffentlicht unter Collage, Malerei
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