Ich streike, bis ich mehr Geld bekomme.

Ich möch­te Künst­ler sein. Ich möch­te als Künst­ler arbei­ten und so viel Geld damit ver­die­nen, dass ich einen für mich ange­mes­se­nen Lebens­stil pfle­gen kann.

Für die Kunst (Waren und Dienst­leis­tun­gen) die ich anbie­te erzie­le ich auf dem Markt nicht genug Pro­fit, um davon Leben zu kön­nen. Wenn ich mei­ne Prei­se erhö­he wei­chen mei­ne poten­ti­el­len Kun­den auf ande­re Künst­ler aus. Wenn ich mehr Kunst anbie­te sinkt der Preis und es wird eben­falls nicht nen­nens­wert bes­ser. Um die Qua­li­tät mei­ner Arbeit mache ich mir kei­ne Gedan­ken, die ist gut. Der Markt ist schuld. Die Leu­te wol­len mei­ne Kunst nicht zu dem Preis kau­fen, den ich für ange­mes­sen hal­te. Ich bean­spru­che das Recht der frei­en Berufs­wahl. Ich möch­te kei­nen ande­ren Beruf ler­nen oder Stu­die­ren oder mich neben mei­ner täg­li­chen Arbeit wei­ter­bil­den. Ich habe ein Recht auf mei­ne Frei­zeit. Viel­leicht soll ich noch in einem Bereich arbei­ten, der mich nicht anspricht? Ich mache kei­ne unkrea­ti­ven Jobs, wie z. B. Anstrei­cher. Das ist unter mei­nem Niveau. In dem Land in dem ich gebo­ren bin, gab es so etwas nicht. Da hat jeder mit sei­ner Arbeit so viel Geld ver­dient, dass er davon leben konn­te. Auch die Künst­ler. Eigent­lich hät­ten vie­le Men­schen in die­ses Land drän­gen müs­sen, aber es war nicht so. Im Gegen­teil, vie­le Men­schen sind geflüch­tet. Dafür, dass die­ser Staat auf­ge­löst wur­de, ist mei­ne Eltern- und Groß­el­tern­ge­nera­ti­on auf die Stra­ße gegan­gen. Sie haben sich dafür ver­prü­geln und ein­sper­ren las­sen. Zu vie­le sind gestor­ben. Zum Glück muss­te ich das nicht mit­er­le­ben und kann mei­ne Frei­heit genießen.

Ich habe Streik­recht. Die­ses neh­me ich mor­gen in Anspruch. Ich wer­de eine wich­ti­ge Stra­ße in der Stutt­gar­ter Innen­stadt blo­ckie­ren. Dann wer­den aus den lan­gen Staus noch län­ge­re Staus. Ich hof­fe die Leu­te ver­ste­hen das und haben Ver­ständ­nis, wenn aus der rush hour ein rush day wird. Außer­dem wur­den ges­tern schon über­all auf mei­ner Strei­k­rou­te Park­ver­bots­schil­der auf­ge­stellt. Die Leu­te die dort arbei­ten und woh­nen haben jetzt ein Pro­blem, weil in Stutt­gart sieht es echt mau aus mit Park­plät­zen. Außer­dem ist die Stra­ße eine Zu- und Abfahrts­stra­ße des größ­ten Kran­ken­hau­ses in der Regi­on Stutt­gart. Tja, die müs­sen alle Rück­sicht auf mich neh­men. Das ist ins­ge­samt volks­wirt­schaft­lich sicher­lich nicht von Vor­teil, aber ich lei­de dar­un­ter. Ich lei­de unter mei­ner eige­nen Ent­schei­dung. Ich habe mich dazu ent­schie­den genau so zu leben. Ich wuss­te, als ich mich ent­schie­den habe Künst­ler zu wer­den, dass nur 5% aller Künst­ler davon leben kön­nen. Na und? Ich habe die Frei­heit das zu ändern, ich habe aber auch die Frei­heit es so zu las­sen. Das ist mein Recht und ich mache das so lan­ge, bis ich den Preis für mei­ne Kunst bekom­me den ich für ange­mes­sen hal­te. Ich muss schließ­lich von mei­ner täg­li­chen Arbeit leben kön­nen. Ich bin Künstler.

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10 comments on “Ich streike, bis ich mehr Geld bekomme.
    • Is klar, Cloud­fla­re hos­tet 4chan, Wiki­leaks, Metal​li​ca​.com, tech​crunch​.com und so, aber wenn der Künst­ler ohne Ironie-Tag pos­tet zer­fällt alles zu Staub. Na hof­fent­lich hält Face­book den Schei­ße­re­gen aus.

  1. Ich fin­de Dei­nen Anspruch mora­lisch rich­tig, dass Du von Dei­ner Kunst leben kön­nen möch­test. Die­ser Anspruch ist Dein Recht. Es hat aller­dings nur wenig mit „dem Markt“ zu tun, was ande­re Men­schen bereit sind, für Dei­ne Kunst zu bezah­len. Ein jedes Ding hat nur den mone­tä­ren Wert, den jemand bereit ist, zu bezah­len. Kunst­wer­ke von Rich­ter sind nicht des­we­gen mil­lio­nen­schwer, weil sie so gut oder anspruchs­voll her­zu­stel­len sind, son­dern weil vie­le Men­schen glau­ben, dass sie es wert sind. „Wert“ in der Kunst ist völ­lig ent­kop­pelt von Markt und Kos­ten. Also muss Dein Weg sein, die Men­schen glau­ben zu machen, Dei­ne Wer­ke sind es wert. Dann wei­chen sie bei höhe­ren Prei­sen auch nicht aus, son­dern kau­fen erst recht. Das ist Psy­cho­lo­gie & Mar­ke­ting, nicht Markt noch Wirt­schaft. Und viel Spaß beim Sitz­streik. Ich mag Aktionskunst.

  2. du hast abso­lut Recht (y)

  3. Lora Celiana sagt:

    das ist dein Recht ich ver­ste­he dich vollkommen :)

  4. Ich habe sehr gros­sen Respekt für dei­ne Aktion

  5. Ich fin­de es gut das du für dei­ne Sache kämpfst (y)

  6. Alex Frei sagt:

    nur wer wagt der gewinnt :)

1 Pings/Trackbacks für "Ich streike, bis ich mehr Geld bekomme."
  1. […] auf­zu­fas­sen. Ange­bot und Nach­frage regu­lie­ren den Preis. (sie­he: Ich strei­ke, bis ich mehr Geld bekom­me.) Trotz­dem hat es […]

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