Nach der Vernissage klingelt um sechs der Wecker – das Auto muss in die Werkstatt. Aus „nur Bremsbeläge“ werden Servopumpe, Bremsscheiben mit Hitzrissen, Benzinfilter und der Wunsch, ein Organ zu verkaufen.
Mein Arbeitsplatz steht gerade in der Kunstausstellung POSITION.2026 in der Fabrik der Künste in Hamburg. Ich sitze jeden Tag dort in der Installation „Triumph der Unkorrigierbarkeit“ und schreibe einen Text. Dies ist der Text vom 25.09.2026.
TAG EINS
Gestern war die Eröffnung, volles Haus, sehr schöne Gespräche. 15 Minuten vor Schließung um 22:00 Uhr kam Freund G. noch vorbei. Wir gingen noch einmal schnell durch die zwei Etagen und fachsimpelten über die Kunst. G. war beeindruckt von der Bandbreite und Qualität der Arbeiten. Es wäre ja auch echt tragisch, wenn von den Neuzugängen des Berufsverbandes bildender Künstler der letzten zwei Jahre so gar nichts Ansprechendes herauskommt. Wir haben uns dann auf den Weg zum Schanzenvöner gemacht. Das V in Vöner kommt übrigens nicht, wie viele denken, von Vleisch, sondern von Vegan. An der Alster war irgendein Polizeieinsatz, Hubschrauber flogen rum und wir brauchten statt der geplanten 12 irgendwie 34 Minuten. Hätten wir auch nach Cottbus zum Essen fahren können. Ehe ich dann wieder in der Künstler-WG war, war es zwölf, dann noch Kurzdiskussion in der Küche und als ich im Bett war, war es kurz nach eins.
Der Wecker klingelte um sechs, weil ich mein Auto zur Werkstatt bringen musste. „Ja, wir fangen hier um sieben an“, hatte ich den Werkstattmeister im Ohr. „Wenn das fertig werden soll, müssen Sie es gleich früh bringen.“ Ich rollte mit den Augen und bestätigte. Das habe ich jetzt davon. Ich stand auf und schlurfte im Zombie-Modus los. Ich war pünktlich da und wir schauten uns alles gemeinsam an. Eigentlich wollte ich nur die Bremsbeläge vorn wechseln lassen. Dann fiel mir ein, die Servopumpe macht schon seit langer Zeit komische Geräusche. Wir schauten nach und da lief auch schon das Öl raus. Top, also gleich mitmachen. Dann noch nach den Bremsen geschaut, ja, die sind wirklich runter. Aber was ist das da auf den Scheiben? Das sind Hitzrisse, die müssen wir mitmachen, na super. Wie die Hitzrisse in die Scheiben kommen, schreibe ich vielleicht morgen. Dann noch Benzinfilter, Bremsflüssigkeit und Zündkerzen. Ich glaube, ich muss ein Organ, idealerweise ein nachwachsendes, verkaufen, um das Auto nächste Woche auszulösen. Mein Opa hat immer gesagt, Auto fängt mit A an und hört mit o auf. Hatte ich als Kind natürlich nicht verstanden. Mir fällt dazu nur ein: Sagt ein Arzt zum Künstler: „Sie haben leider nur noch 6 Monate zu leben.“ Sagt der Künstler: „Ja, aber wovon denn?“

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